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TxT · № 14

Aus der Vogelperspektive zeigt sich der Charakter einer Stadt in Landschaft, Strassen, Quartieren. Bewegen sich Menschen hingegen auf Sohlen oder Reifen durch die Stadt, definieren hingegen ganz andere Elemente ihre Wahrnehmung. In den Gezeiten strömen des Pendlerverkehrs bilden die immer wiederkehrenden Abfalleimer, Bushaltestellen, Schilder und Ampeln den Puls des städtischen Lebens.




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Dokumentation Hochbauamt, 2012 | N° 170
November 2012
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Erneuerung Buswartehallen

Die Verkehrsbetriebe der Stadt St.Gallen hatten zunächst ihre Fahrzeugflotte und die Bilettautomaten erneuert. Als nächstes waren die Buswartehallen an der Reihe: Lange Zeit prägte das Modell «Gallus» die Strassen der Stadt. Dieses war aber in die Jahre gekommen und eine neue Normwartehalle war nötig geworden.

Was an allen Ecken wieder auftaucht, verschwindet langsam aus der Wahrnehmung. Auch Buswartehallen gehören zu den Dingen, die unseren Alltag prägen, ohne dass wir ihnen noch viel Beachtung schenken. Für sie gilt, wie auch für andere Gegenstände des täglichen Gebrauchs: Je selbstverständlicher diese sich im Alltag gebärden, umso länger behalten sie ihren Gebrauchswert. Was man tausendmal in die Hand nimmt, dauernd sieht und ohne Unterlass braucht, muss besonders sorgfältig gestaltet sein.

Plakat als Mass der Dinge

Um ein passendes Konzept zu finden, wurden fünf Architekturbüros zu einem Wettbewerb eingeladen, denn die Ansprüche waren vielfältig: Die Haltestellen sollen eigenständig und wiedererkennbar sein, zudem flexibel genug, um sich an unterschiedliche Situationen in der Stadt anzupassen. Der Alltag erfordert eine robuste und pflegeleichte Konstruktion. Die Fahrgäste sollen sich sicher fühlen, wenn sie auf die Busse warten. An ebenen Strassen müssen die Buswartehallen genau so funktionieren wie an den steilen Hängen. Manchmal steht verschwenderisch viel Platz zur Verfügung, während die Haltestellen an einigen Orten passgenau zwischen Häusern und Strassen eingefügt sind. Hinzu kommen die Plakatkästen, welche an vielen Wartehallen integriert sind und zu deren Finanzierung beitragen.

Und bei diesen Plakaten setzte das Konzept an, welches sich im Wettbewerb durchsetzen konnte. Wie die traditionellen japanischen Häuser aus dem Mass der Tatamimatten heraus entwickelt wurden, entspringen die Buswartehallen dem Mass der Plakate. Daraus leiten sich ihre Proportionen ab, ihre Konstruktion und ihre Grösse.

Auf einem kniehohen Sockel steht die Pfostenkonstruktion aus pulverbeschichtetem Stahl in metallisierter Farbe. Die Ausfachung des Rahmens nimmt Fenster, Fahrpläne und Werbeplakate auf. Diese werden je nach Situation innen oder aussen bündig montiert und folgen alle dem modularen Grundmass des Plakataushanges. Einzig ein schmales Fenster bricht aus dem System aus und erlaubt damit, die Tiefe der Wartehalle feiner zu variieren.

Ein Modul für viele Situationen

Das U-förmige Fundament ist gegen die Strasse offen, mit ihm werden die Unebenheiten des Geländes aufgenommen. Direkt an die Rückwand der Halle angeschraubt, können die Sitzbänke in idealer Höhe angebracht werden. Der Trottoirbelag läuft bis ins Innere der Wartehalle und ermöglicht einen hindernisfreien Zugang.

Das Dach ist ebenfalls eine verkleidete Stahlkonstruktion, die als kleiner Überstand seitlich hinausragt. Unter dessen Vordach versammeln sich die rauchenden Fahrgäste. Bei kleineren Haltestellen führt ein Metallschild den Namen und die Buslinien auf. Bei Stationen mit hoher Frequenz kommt eine digitale Anzeige mit dynamischer Fahrgastinformation zum Einsatz.

Wo immer möglich, bauen die Verkehrsbetriebe eine Normwartehalle. Wenn aber weitere Nutzungen hinzukommen, wie zum Beispiel die Toiletten an den Endhaltestellen, beweist das Konzept seine Anpassungsfähigkeit: Mit den gleichen Gestaltungsemelementen kann in den meisten Fällen eine individuelle Lösung entwickelt werden.


Marko Sauer am, 10 12 2012

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